Warum mein Blog jetzt eine Lizenz hat

07.08.2026

Thema: alle Beiträge zu Open Source

Ohne Lizenzangabe gilt das strengste Urheberrecht. Warum die Beiträge hier jetzt unter CC BY 4.0 stehen, warum Code getrennt lizenziert ist und was das kostet.

Inhaltsverzeichnis

Ich schreibe hier seit Wochen über Lizenzen. Über Redis und den Wechsel zu Valkey, über HashiCorp, über kubara und darüber, dass ein fehlendes CLA mehr Schutz bietet als jede Absichtserklärung. Beim Schreiben des letzten Beitrags ist mir aufgefallen, dass mein eigener Blog keine Lizenz hatte.

Das ist seit heute anders. Die Beiträge stehen unter CC BY 4.0, Code-Beispiele unter Apache 2.0. Warum das keine Formalie ist, steht im Rest dieses Beitrags.

Keine Lizenz ist auch eine Lizenz

Der verbreitete Irrtum: Wer nichts hinschreibt, hält sich alle Optionen offen und ist erstmal neutral.

Das Gegenteil ist der Fall. Ohne Lizenzangabe gilt das Urheberrecht in seiner strengsten Form, also alle Rechte vorbehalten. Ein Text im Netz ist damit rechtlich betrachtet so zugänglich wie ein Buch in einer Buchhandlung: lesen ja, alles andere nur mit Erlaubnis.

Konkret durfte bis gestern niemand:

Ein Link war erlaubt, ein Zitat im Rahmen des Zitatrechts auch. Alles darüber hinaus wäre eine Anfrage per E-Mail gewesen, und in der Praxis heißt das: Es passiert nicht. Wer erst fragen muss, macht es gar nicht, und in neun von zehn Fällen hätte ich sowieso zugestimmt.

Wer nichts hinschreibt, hat sich also nicht enthalten. Er hat sich für die restriktivste aller Optionen entschieden, nur ohne es zu merken. Bei jemandem, der über offene Lizenzen schreibt, ist das eine Lücke zwischen Anspruch und eigener Praxis.

Die Wahl: CC BY 4.0

Creative Commons ist für Texte, was Apache 2.0 für Code ist: ein anerkannter Baukasten, den man nicht selbst zusammenschreiben muss. Ich habe die einfachste offene Variante genommen. CC BY 4.0 erlaubt

Die einzige Bedingung ist die Namensnennung: Urheber nennen, Lizenz verlinken, Änderungen kenntlich machen. Das ist eine niedrige Hürde, und sie hat einen angenehmen Nebeneffekt, denn Namensnennung heißt in der Praxis Verlinkung.

Eine Lizenz erteilen kann nur, wer die Rechte hält. Das ist hier die Trutz Software Consulting GmbH, die auch diese Seite betreibt. Geschrieben sind die Beiträge von mir, deshalb steht mein Name in der Namensnennung. Die fertige Zeile zum Kopieren steht auf der Seite Lizenz.

Warum kein NC

Es gibt eine Variante, die auf den ersten Blick vernünftig wirkt: CC BY-NC, also mit dem Zusatz „nicht kommerziell”. Klingt nach einem fairen Kompromiss. Meine Texte für alle, aber niemand verdient daran.

Ich habe mich dagegen entschieden, aus zwei Gründen.

Erstens ist NC keine freie Lizenz. Creative Commons selbst zählt die NC-Varianten nicht zu den „Free Culture”-Lizenzen, und in der Open-Source-Welt gilt eine Einschränkung des Nutzungszwecks als Ausschlusskriterium. Genau darum ging es im Beitrag „Open Source ist mehr als sichtbarer Quellcode”: Eine Lizenz, die bestimmten Nutzergruppen etwas verbietet, ist nicht offen, sondern nur einsehbar. Diesen Maßstab kann ich schlecht an andere anlegen und für mich selbst kassieren.

Zweitens ist „kommerziell” unscharf. Zählt ein Firmenblog dazu? Ein Vortrag beim eigenen Arbeitgeber? Eine interne Schulung? Ein Konferenzbeitrag, bei dem der Veranstalter Eintritt nimmt? Für all das müsste jemand entweder einen Anwalt fragen oder mich. Beides führt dazu, dass es unterbleibt. Eine Einschränkung, die vor allem redliche Leute abschreckt, während sie die anderen nicht interessiert, ist keine gute Einschränkung.

Warum Code getrennt lizenziert ist

Das ist der Teil, den man leicht übersieht, und er ist der praktisch wichtigste.

Creative Commons rät ausdrücklich davon ab, CC-Lizenzen für Software zu verwenden. Der Grund ist keine Förmlichkeit: CC-Lizenzen sagen nichts über Patente, nichts über die Verfügbarkeit des Quelltexts und nichts darüber, wie sie sich zu anderen Lizenzen verhalten. Für einen Aufsatz ist das gleichgültig, für Software nicht.

Meine Beiträge bestehen zu einem guten Teil aus Kommandos, Skripten, Dockerfiles und Manifesten. Genau die Zeilen, die jemand herauskopiert und in ein eigenes Projekt einsetzt. Stünden sie unter CC BY, müsste dieser Jemand überlegen, ob er damit gerade eine Lizenzunverträglichkeit in sein Repository holt.

Deshalb die Trennung:

Bestandteil Lizenz
Fließtext, Struktur, eigene Grafiken CC BY 4.0
Kommandos, Skripte, Konfigurationen, Manifeste Apache 2.0

Apache 2.0 ist dieselbe Lizenz wie in meinen öffentlichen Repositories, zuletzt beim referrers-checker. Wer eine Zeile aus einem Beitrag übernimmt, bekommt damit dieselben Bedingungen wie beim Klonen des Repos, samt ausdrücklicher Patentlizenz.

Was ausgenommen bleibt

Eine Lizenz ist nur so gut wie ihre Abgrenzung. Drei Dinge sind nicht erfasst.

Marke und Logo. Der Name „trutz.io”, die Wortmarke und das Chip-Icon bleiben außen vor. Du darfst meine Texte nehmen, verändern und veröffentlichen. Du darfst dabei nur nicht den Eindruck erwecken, das Ergebnis käme von mir. Lizenzrecht und Markenrecht sind zwei verschiedene Dinge, und wer das nicht hinschreibt, erzeugt den Eindruck, es sei alles freigegeben.

Zitate Dritter. In meinen Beiträgen stehen wörtliche Passagen aus fremden Quellen, etwa aus Herstellerdokumentation oder aus einer Spezifikation. Die gehören mir nicht, also kann ich sie auch nicht weitergeben. Sie sind als Zitat gekennzeichnet und bleiben bei ihren Rechteinhabern.

Kursmaterial. Folien, Übungsumgebungen und Handouts aus meinen Schulungen sind nicht Teil der Freigabe, auch dann nicht, wenn sie inhaltlich an einen Beitrag anschließen. Das ist kein Widerspruch, sondern die Arbeitsteilung: Der Blog ist offen und bleibt es, bezahlt wird für Struktur, Übungen, einen geführten Weg und dafür, dass jemand im Raum steht, wenn es klemmt.

Alle Einzelheiten stehen auf der neuen Seite Lizenz, samt einer fertigen Zeile zum Kopieren, falls du korrekt zitieren willst.

Der unbequeme Teil

Zur Ehrlichkeit gehört, was mich das kosten kann.

CC BY erlaubt die vollständige Übernahme, auch kommerziell. Jemand darf meine Beiträge nehmen, leicht umschreiben, auf einer eigenen Seite mit Werbung veröffentlichen und Geld damit verdienen, solange er mich nennt. Er darf sie in eine bezahlte Schulung packen. Das ist kein Missbrauch der Lizenz, das ist genau das, was sie erlaubt.

Und CC-Lizenzen sind unwiderruflich. Für bereits verbreitete Kopien kann ich die Erlaubnis nicht zurückziehen, auch wenn ich es in zwei Jahren bereuen sollte. Ich könnte künftige Beiträge anders lizenzieren, aber das Vergangene ist raus.

Beides habe ich abgewogen und für hinnehmbar befunden. Der Grund ist unspektakulär: Der Text ist nicht das Wertvolle. Wertvoll ist, dass er von mir kommt, dass regelmäßig einer nachkommt und dass jemand hinter den Kommandos steht, den man ansprechen kann, wenn im eigenen Cluster etwas anders aussieht. Das lässt sich nicht kopieren. Und wenn ein Text tatsächlich woanders auftaucht, steht mein Name daneben, was mehr Reichweite bedeutet, nicht weniger.

Warum die Unwiderruflichkeit der eigentliche Punkt ist

Genau hier schließt sich der Kreis zu allem, worüber ich sonst schreibe.

Als HashiCorp 2023 auf eine nicht mehr freie Lizenz wechselte, war das rechtlich zulässig. Als Redis 2024 nachzog, ebenfalls. Beide Male traf es Leute, die ihre Infrastruktur auf ein Versprechen gebaut hatten, das nie eines war. Die Lehre daraus ist nicht „Herstellern nicht trauen”, sondern eine nüchternere: Eine Zusage, die man jederzeit zurücknehmen kann, ist keine Zusage. Es ist eine Absichtserklärung mit besserer Öffentlichkeitsarbeit.

Eine offene Lizenz ist etwas anderes. Sie bindet den, der sie vergibt. Sie kostet ihn etwas, nämlich die Option, es sich später anders zu überlegen. Genau deshalb ist sie glaubwürdig, und genau deshalb ist sie mehr wert als jede Beteuerung, man werde die Bedingungen schon nicht ändern.

Diese Haltung an andere anzulegen und für sich selbst nicht zu gelten, geht nicht. Nicht, weil es jemandem aufgefallen wäre, sondern weil die zweite Säule sonst nur ein Argument im Video wäre und keine Praxis. Ein Lizenzhinweis unter jedem Beitrag ist ein kleiner Preis dafür, dass die These auch für den gilt, der sie vertritt.

Fazit

  1. Ohne Lizenzangabe gilt das strengste Urheberrecht. Keine Lizenz ist keine Neutralität, sondern die restriktivste Variante.
  2. Die Beiträge hier stehen ab sofort unter CC BY 4.0: teilen, bearbeiten, auch kommerziell, einzige Bedingung ist die Namensnennung.
  3. Code-Beispiele stehen unter Apache 2.0, weil Creative Commons für Software ausdrücklich nicht empfohlen wird und niemand beim Kopieren einer Zeile grübeln soll.
  4. Ausgenommen bleiben Marke und Logo, zitierte Fremdinhalte sowie das Kursmaterial.
  5. CC-Lizenzen sind unwiderruflich. Das ist kein Nachteil, den man in Kauf nimmt, sondern der Grund, warum die Zusage überhaupt etwas wert ist.

Nimm die Beiträge, übersetze sie, kürze sie, pack sie in euer internes Wiki. Nenn mich dabei. Mehr ist es nicht.

© 2026 Trutz Software Consulting GmbH. CC BY 4.0: Dieser Text darf mit Namensnennung weiterverwendet und bearbeitet werden, auch kommerziell. Code-Beispiele darin stehen unter Apache 2.0. Ausgenommen sind Marke und Logo sowie gekennzeichnete Zitate Dritter. Was das genau heißt.

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